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26. Juli 2011

Rechtsanwalt Dirk LöberTÄTOWIERUNG EINES PONYS VERSTÖSST GEGEN TIERSCHUTZGESETZ! 

Beitrag verfasst von:
Rechtsanwalt Torsten Sonneborn

Der Halter eines Ponys darf sein Tier nicht mit einer Rolling-Stones-Zunge tätowieren. Eine solche "individuelle Verschönerung" verstößt gegen das Tierschutzgesetz. Ein entsprechendes Verbot sprach das Verwaltungsgericht Münster in einem Eilverfahren aus.

Der Fall: Der Halter eines Ponys hatte schon auf einer größeren Fläche des rechten hinteren Oberschenkel die Haare des Tieres wegrasiert und eine etwa 15 cm große Vorlage der Rolling-Stones-Zunge vortätowiert, um sein Pferd auf diese Weise, wie er angab, individuell zu verschönern. In einem Eilverfahren hatte das Verwaltungsgericht Münster darüber zu entscheiden, ob dem Halter des Ponys diese Verschönerungsmaßnahme zu verbieten ist.

Die Entscheidung: Das Gericht kam zu dem Ergebnis, dass die Tätowierung eines warmblütigen Wirbeltieres gegen das Tierschutzgesetz darstellt. Nach Ansicht der Richter dürfen einem Pony ohne vernünftigen Grund keine Schmerzen zugefügt werden. Der Umstand, dass Tätowierungen am Menschen im Regelfall ohne Betäubung erfolgen, lasse nicht die Schlussfolgerung zu, dass der mit derartigen Eingriffen in die Haut verbundene Schmerz bei einem Tier zu vernachlässigen sei. Bei der Frage nach der Vergleichbarkeit müssten sowohl die physiologischen Eigenschaften des Tieres wie auch seine Angst und seine Unfähigkeit, den Sinn des Schmerzes einzusehen und dessen zeitliche Dimensionen abzuschätzen, bedacht werden. Während sich Menschen auf die mit der Tätowierung verbundenen Schmerzen einstellen können, sei ein Tier nicht in der Lage, die Situation zu erfassen. Hinzu komme, dass ein Tier dem Willen des Tätowierers hilflos ausgesetzt sei und - anders als ein Mensch - nicht die Möglichkeit habe, die Prozedur abbrechen zu lassen. Das erklärte Motiv des Pferdebesitzers, sein Pony individuell verschönern zu lassen, stelle auch keinen vernünftigen Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes dar. Die Tätowierung diene - anders als ein Brandzeichen -  nicht einer Kennzeichnung des Ponys, sondern allein einem individuellen und wirtschaftlichen Interesse des Ponybesitzers, der im vorliegenden Fall mit einem Tattoo-Service für Tiere Geld verdienen wollte. Dieses gewerbliche Interesse sei nicht grundrechtlich geschützt.

Verwaltungsgericht Münster, Beschluss vom 04.10.2010 – 1 L 481/10

Stichwörter: Pferderecht, Tätowierung, Pony, Rolling-Stones-Zunge, Tierschutzgesetz.

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