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01. August 2011

Rechtsanwalt Dirk LöberHaftUNG DES HUFSCHMIEDS 

Beitrag verfasst von:
Rechtsanwalt Torsten Sonneborn

„Der Hufschmied hat mein Pferd vernagelt!“ Es gibt kaum einen Pferdefreund, dem diese Klage eines Reiterkollegen noch nicht zu Ohren gekommen ist. Manch einer hat auch schon selbst die Erfahrung gemacht, dass sein Pferd nach dem Hufbeschlag für längere Zeit lahmte. Dass es dennoch nur selten vorkommt, dass betroffene Pferdehalter Schadensersatz verlangen, hängt auch damit zusammen, dass die Voraussetzungen einer Haftung von Hufschmieden weithin unbekannt sind.

Da der Hufschmied dem Auftraggeber die Herbeiführung eines ganz bestimmten Erfolg schuldet, nämlich einen ordnungsgemäßen Beschlag, kommt mit dem Hufschmied über die Durchführung seiner Arbeiten regelmäßig ein Werkvertrag zustande (LG Mannheim, Urteil vom 04.12.1998 – 1 S 237/98). Dies gilt nicht nur für den Hufbeschlag im engeren Sinne, sondern auch für die reine Barhufpflege. Die Haftung des Hufschmieds richtet sich somit nach den werkvertraglichen Vorschriften der §§ 633– 639 BGB. Voraussetzung für die Haftung des Hufschmieds ist die Schlechterfüllung des Werkvertrages. Gemäß § 633 Absatz 2 BGB ist dies dann der Fall, wenn das Werk nicht die vereinbarte Beschaffenheit hat oder wenn es sich nicht für die nach dem Vertrag vorgesehene Verwendung eignet oder sich nicht für die gewöhnliche Verwendung eignet bzw. keine Beschaffenheit aufweist, die bei Werken der gleichen Art üblich ist und die der Besteller nach der Art des Werkes erwarten kann. Das Fehlen der vereinbarten Werkbeschaffenheit ist zu bejahen, wenn der Hufschmied statt der vereinbarten orthopädischen Spezialbeschläge nur herkömmliche Hufeisen angebracht hat. Eine Ungeeignetheit für die vertraglich vorgesehene Verwendung liegt z.B. vor, wenn sich herausstellt, dass die Hufeisen eines Rennpferdes zu schwer sind und das zusätzliche Gewicht die Rennleistung merklich beeinträchtigt. Das Fehlen der üblichen Beschaffenheit ist generell anzunehmen, wenn der Hufschmied gegen die sog. anerkannten Regeln des Hufbeschlages verstoßen hat (z.B. fehlerhaftes Ausschneiden des Hufes). Eine Schlechterfüllung der werkvertraglichen Pflichten des Hufschmiedes kommt aber nicht nur im Falle der unsachgemäßen Ausführung der eigentlichen Hufschmiedearbeit in Betracht. Auch die bloße Verletzung von Hinweispflichten kann haftungsbegründend sein, denn aus der allgemeinen Herstellungspflicht der §§ 631 Absatz 1, 633 Absatz 1 BGB resultiert die Pflicht des Hufschmiedes, den Auftraggeber in Fragen der Hufpflege optimal zu beraten.

Um die Gefahr zu vermeiden, alle weitergehenden Mängelansprüche zu verlieren, muss dem Hufschmied zunächst die Gelegenheit gegeben werden, den aufgetretenen Mangel im Wege der Nacherfüllung selbst zu beheben. Hierzu bedarf es grundsätzlich einer angemessenen Fristsetzung. Wie diese Frist zu bemessen ist, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. In besonderen Notfällen kann allerdings eine Fristsetzung ausnahmsweise entbehrlich sein. Auf eine Fristsetzung kann ferner verzichtet werden, wenn es für den Hufschmied gar nichts mehr nachzubessern gibt. Dies ist kann bei einem zu kurz geschnittenen Huf der Fall sein, wenn nach Auskunft des Tierarztes das Nachwachsen des abgeschnittenen Hornes abgewartet werden muss. Wird der Hufschmied innerhalb der ihm gesetzten Frist nicht tätig oder lehnt er die von ihm verlangte Nacherfüllung ausdrücklich ab, kann der Pferdeeigentümer gemäß § 637 BGB einen anderen Hufschmied mit der Mängelbeseitigung beauftragen und den Ersatz der ihm dadurch entstehenden Aufwendungen verlangen. Wenn der Hufschmied eine Mängelbeseitigung ernsthaft und endgültig verweigert oder die Nacherfüllung fehlgeschlagen ist, kann der Auftraggeber auch vom Vertrag zurücktreten und Schadensersatz verlangen (§ 325 BGB). Statt zurückzutreten, kann der Auftraggeber auch die Vergütung mindern, wobei immer zu beachten ist, dass das Wahlrecht zwischen Rücktritt oder Minderung nur einmal ausgeübt werden kann.

Betroffene Pferdeeigentümer sollten den fehlerhaften Hufbeschlag und seine mitunter sehr weitreichenden Folgen nicht als einen unvermeidlichen Schicksalsschlag hinnehmen, sondern unter Hinzuziehung eines auf diesem Gebiet erfahrenen Rechtsanwaltes zumindest prüfen lassen, inwieweit eine Inanspruchnahme des Hufschmieds im Einzelfall Erfolg verspricht. Nähere Einzelheiten können Sie in folgendem Fachartikel nachlesen:

pdf Zur Haftung des Hufschmieds wegen fehlerhafter Hufschmiedearbeiten (101 kB).

Stichwörter: Pferderecht, Haftung, Hufschmied, Schadensersatz, Mängelansprüche.

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