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02. September 2010

Rechtsanwalt Torsten SonnebornLAG HAMM: ELEKTROROLLER AUFGELADEN - KÜNDIGUNG UNWIRKSAM

Beitrag verfasst von:
Rechtsanwalt Torsten Sonneborn


Ein Arbeitnehmer hatte seinen Elektroroller ohne die Erlaubnis des Arbeitgebers am Arbeitsplatz aufgeladen. Obwohl dem Arbeitgeber nur Kosten in Höhe von 1,8 Cent entstanden waren und das Arbeitsverhältnis bis dahin über mehr als 15 Jahre bestanden hatte, entschied sich der Arbeitgeber zur außerordentlichen Kündigung. Mit einem aus Arbeitnehmersicht erfreulichen Urteil erklärte das LAG Hamm diese Bagatellkündigung heute für unwirksam. Als Fachanwalt für Arbeitsrecht, der fast ausnahmslos Arbeitnehmer vertritt, begrüße ich diese Entscheidung ausdrücklich. Ich war schon immer der Auffassung, dass es ein Unding ist, dass ein Arbeitsverhältnis, das jahrzehntelang beanstandungsfrei verlaufen ist, fristlos gekündigt werden kann, nur weil der Arbeitnehmer einen Pfennigartikel gestohlen hat. Aus diesem Grund trete ich auch für eine gesetzliche Neuregelung ein, die einen besseren Schutz der Arbeitnehmer vor Bagatellkündigungen gewährleistet. Grundsätzlich sollte es so sein, dass ein Arbeitgeber im Falle des Diebstahls geringwertiger Sachen zunächst zum Ausspruch einer Abmahnung verpflichtet ist und erst im Wiederholungfall mit einer (fristlosen) Kündigung reagieren darf.

Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 02.09.20010 - 16 Sa 260/10

Stichwörter: Arbeitsrecht, Kündigung, verhaltensbedingte Kündigung, fristlose Kündigung, Interessenabwägung, Abmahnung, Bagatellkündigung.