Anwaltsbloh         



12. Oktober 2010

Rechtsanwalt Dirk LöberARBEITSRECHT: SCHÜTZEN SIE SICH VOR SPIONAGE-SOFTWARE!

Beitrag verfasst von:
Rechtsanwalt Torsten Sonneborn


Immer häufiger setzen Arbeitgeber Spionage-Software ein, um ihre Mitarbeiter auszuschnüffeln. Dies belegen die Absatzzahlen der Softwarehersteller. In einem besonders drastischen Fall hatte der US-Konzern Honeywell tausende deutsche Mitarbeiter mit Hilfe der Software "EnCase" überwacht. Das Unternehmen hatte das Programm installiert, um die Arbeitsplatzrechner der Beschäftigten beliebig ausforschen zu können. Ein mit der Sache befasstes Arbeitsgericht hat inzwischen festgestellt, dass dadurch Mitbestimmungsrechte verletzt wurden. Zum Glück können sich Arbeitnehmer mit realtiv einfachen Mitteln gegen Spionage-Software zu Wehr setzen.

Die Anzeichen für den Einsatz von Spionage-Software können vielfältig sein: Der Computer läuft plötzlich ungewöhnlich langsam, insbesondere beim Surfen im Internet. Der Rechner verbindet sich selbständig mit dem Internet. Die Firewall meldet laufend, dass Programme versuchen, eine Verbindung mit dem Internet herzustellen. Der Browser öffnet Fenster, die in keinem erkennbaren Zusammenhang mit der besuchten Webseite stehen. Manche Spionage-Programme werden auch vom Task-Manager in der Liste der aktiven Programme angezeigt.

Auf dem Markt werden mittlerweile eine ganze Reihe von sog. Anti-Spionage-Programmen angeboten. Mit Hilfe dieser Software wird der eigene Rechner gesichert und den Spionen der Zutritt verwehrt. Auch wenn keines der Anti-Kontrollprogramme einen lückenlosen Schutz gegen den schnüffelnden Arbeitgeber bietet, kann sich der Einsatz als lohnenswert erweisen. Bevor man sich hierzu entschließt sollte allerdings der Betriebsrat eingeweiht oder der Rechtsrat eines Anwalts eingeholt werden, denn es darf nicht vergessen werden, dass es sich bei den Arbeitsplatzrechnern um das Eigentum des Arbeitgebers handelt, mit dem nicht nach Belieben verfahren werden darf. Vor der unfachmännischen Deinstallation einer Spionage-Software kann im übrigen nur gewarnt werden, denn in vielen Fällen repariert sich das Programm beim nächsten Neustart selbst, um die Schnüffeltätigkeit im Dienste des Arbeitgebers ungehindert fortzusetzen.


Stichwörter: Arbeitsrecht, Spionage-Software, Anti-Spionage-Software, Schutz, Betriebsrat, Mitbestimmungsrechte.

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