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28. Oktober 2010

Rechtsanwalt Dirk LöberPFERDERECHT: ISLÄNDER-STUTE FAST VERDURSTET!

Beitrag verfasst von:
Rechtsanwalt Torsten Sonneborn


Islandpferde sind grundsätzlich physisch stark und gesund. Enorme Hitze und Anstrengungen (Schwitzen) sowie bestimmte Erkrankungen (z.B. Durchfall) können jedoch - wie bei jedem Pferd - schnell zu einem starken Flüssigkeitsverlust (Dehydration) führen. Der Wasserbedarf von Isländern liegt bei rund 20 Litern pro Tag. Deshalb kann auch eine schlechte Wasserversorgung zur Dehydration des Tieres führen. Im einem aktuellen Fall aus meiner Pferderechts-Praxis wäre eine zur Bedeckung in fremde Obhut gegebene Isländer-Stute fast verdurstet, weil dem Tier nicht ausreichend Wasser zur Verfügung stand.

Der Fall:
Die Stute wurde kerngesund zum Bedecken abgegeben und vom Deckbetrieb im Herdenverband auf einer Weidefläche gehalten. Den Pferden stand nur eine einzige Wasserstelle zur Verfügung. Diese Wasserstelle befand sich in einem hygienisch äußerst bedenklichen Zustand und führte kaum noch Wasser:

Wasserstelle


Bei einem eher zufälligen Besuch des Deckbetriebes fand mein Mandant die Stute in einem erbärmlichen Zustand vor. Das dehydrierte Tier musste deshalb notfallmäßig in einer Tierarztpraxis behandelt werden. Um den drohenden Tod des Pferdes zu verhindern,
erfolgte die Weiterbehandlung in einer Tierarztklinik. Tatsächlich gelang es dort den behandelnden Tierärzten, das Leben des bemitleidenswerten Pferdes zu retten. Meinem Mandanten waren ingsesamt Tierarztkosten in einer Höhe von ungefähr 900,00 EUR enstanden, weshalb er sich dazu entschloss, die vereinbarte Decktaxe sowie das Weidegeld einstweilen zurückzubehalten.

Mein Auftrag: Mein Mandant verlangt, dass die ihm entstandenen Tierarztkosten in voller Höhe mit den Forderungen des Deckbetriebes verrechnet werden. Die Chancen, dieses Ziel zu erreichen, stehen gut, denn die Art und Weise der streitgegenständlichen Wasserversorgung entspricht in keinster Weise den in Fachkreisen anerkannten Anforderungen. In der Broschüre "Empfehlungen zur Freilandhaltung von Pferden" des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten heißt es hierzu wörtlich:

"Grundsätzlich muss den Pferden auch bei Freilandhaltung ganzjährig Wasser zur freien Aufnahme zur Verfügung stehen. Dass Wasser muss hygienisch einwandfrei sein und sollte Trinkwasserqualität haben. ... Übermäßige Trittschäden und Morastbildung müssen unbedingt vermieden werden. ... Natürliche Gewässer können nur bei gesicherter Wasserqualität genutzt werden. In der Regel setzt dies eine Wasseranalyse voraus. Um die Verschmutzung der Oberflächengewässer mit Kot und Harn sowie Parasiten zu verhindern, sollte den Tieren der direkte Zugang zum Wasser möglichst verwehrt werden. Die Nutzung von stehenden Gewässern mit geringem Wasseraustausch, hohem Geflügelbesatz oder geringer Wassertiefe ist in keinem Fall akzeptabel, da unangemessen hohe Risiken beispielsweise durch Aufnahme von Algen und bestimmte Bakterien oder Colestridien bestehen."

Gegenwärtig wird zwischen den Parteien noch außergerichtlich korrespondiert. Ob es auf diese Weise zu einer Einigung kommen wird, ist mehr als ungewiss. Falls dies erforderlich sein sollte, werde ich für eine gerichtliche Klärung des Falles sorgen und an dieser Stelle über den Verfahrensausgang berichten.

Stichwörter: Pferderecht, Dehydration, Stute, Tierarztkosten, Schadensersatz, Decktaxe, Weidegeld, Wasserbedarf, Islandpferd.

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