Anwaltsbloh         



17. Februar 2011

Rechtsanwalt Dirk LöberFLUCHT KEIN SCHULDEINGESTÄNDNIS!

Beitrag verfasst von:
Rechtsanwalt Dirk Löber


Als Strafverteidiger vertrete ich seit dieser Woche einen Mandanten, der verdächtigt wird, in Meinerzhagen eine Vergewaltigung begangen zu haben. Ermittlungen gegen meinen Mandanten wurden eingeleitet, nachdem am 11.02.2011 ein Zeuge in den späten Abendstunden auf der Polizeiwache in Meinerzhagen erschien und angab, dass eine gute Bekannte von ihm, eine 16-jährige Meinerzhagenerin, vergewaltigt worden sei. Mein Mandant wurde in den Morgenstunden des 12.02.2011 in seiner Wohnung festgenommen und stritt die im zur Last gelegte Tat ab. Am darauf folgenden Tag wurde er nochmals von der Kriminalpolizei vernommen. Im Lauf der Vernehmung öffnete mein Mandant das Fenster, sprang hinaus und flüchtete. Sofort eingeleitete Fahndungsmaßnahmen verliefen negativ. Der Mandant suchte meine Kanzlei auf um stellte sich sodann gemäß meiner Empefhlung den Polizeibeamten. Nach meiner Einschätzung kann die panikartige Flucht meines Mandanten nicht als Schuldeingeständnis gewertet werden. Nach dem Motto "Mein Gott, wo bin ich hier hineingeraten" können auch zu Unrecht beschuldigte Personen in Panik geraten und sodann die Flucht als vermeintlich einzigen Ausweg aus einer subjektiv empfundenen Zwangslage ansehen. 


Im Lokalteil der der Lüdenscheider Nachrichten wurde heute über diesen Aufsehen erregenden Fall wie folgt berichtet:

Flucht kein Schuldeingeständnis

In der Rechtsgeschichte sind genügend Fälle bekannt, in denen die Flucht des Beschuldigten zu Unrecht als Schuldeingeständnis gewertet wurde. Exemplarisch kann ich als Fachanwalt für Strafrecht den Fall "Adolph Beck" nennen. Adolph Beck fuhr als junger Mann zur See und kam 1865 nach England. Er geriet 1904 in den falschen Verdacht, eine Reihe von Frauen betrogen zu haben. Seine panikartige Flucht vor der Polizei wurde als Schuldeingeständnis ausgelegt. Später wurde der wahre Täter verhaftet, was zur Begnadigung von Beck führte. Dieser Fall war einer der Auslöser, die in England zur Einrichtung des Berufungsgerichtes "Court of Crminal Appeal" im Jahre 1907 führten. Beck brachte dies leider keine Genugtuung. Er starb im Jahre 1909 als gebrochener Mann in einem Londoner Krankenhaus.


Stichwörter: Strafrecht, Flucht, Schuldeingeständnis, Haftbefehl, Vergewaltigung, Polizei, Staatsanwaltschaft, Meinerzhagen.

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